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13. September 2017

Für einen anderen Weimarer Blick auf eine aktuelle Debatte

von SchiDD (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Im Beitrag der Thüringer Allgemeinen vom 13. September 2017 „Die Skepsis bleibt, trotz vieler Beteuerungen“ über die am 12. September 2017 stattgefundene Podiumsdiskussion der Bürgerinitiative „Unser Museum bleibt“ zur Zukunft des Museums für Ur- und Frühgeschichte wird meine Wortmeldung in der Veranstaltung dahingehend kommentiert, dass „ausgerechnet (Dittes) Weimar vor(hielt), wie viele Landesmittel doch in die Stadt flössen“. Dass diese Zusammenfassung weder Inhalt noch Intention meines Beitrages wiedergibt, ist hinnehmbar aber auch symptomatisch für einen Weimarer Blick, der aber wesentlich die Diskussion um die zukünftige Entwicklung Weimars gleichwohl bestimmt wie auch erschwert.

Weimar ist nur mit Thüringen zu denken, so wie Thüringen nur mit Weimar zu denken ist. Es ist das gemeinsame Ziel von Landes- und Stadtpolitik, Weimar national wie international als Kulturstadt zu präsentieren. Das Angebot des Landes, in einem Kulturstadtvertrag die beidseitigen Verpflichtungen zur Förderung der Kultur in Weimar zu vereinbaren, ist Ausdruck dieser gemeinsam zu tragenden Verantwortung. Dieser zu entsprechen ist aber kein Selbstläufer, sondern ist verbunden mit einer stetigen Anstrengung, das historische Erbe, die Denkmalsubstanz und die heute vielfältige und exzellente Kulturlandschaft zu erhalten und auch auszubauen und neuere Events, wie beispielsweise den Yiddish Summer, institutionell zu verankern. Es ist aber nicht zielführend, den notwendigen Aushandlungsprozess zwischen Land und Stadt mit dem Vorwurf zu beginnen, dass Erfurt und die Landesregierung Weimar immer alles entreißen will. Dies ist nicht nur atmosphärisch hinderlich, sondern auch sachlich falsch. Denn tatsächlich, und das ist kein Vorhalt, fließen in Kultureinrichtungen Weimars ein Drittel der Kulturausgaben des gesamten Landes Thüringen. Daraus ergibt sich nicht nur ein objektiv anderes Bild als die gefühlt dominierende Wahrnehmung ständiger Benachteiligung Weimars, sondern sowohl für das Land als auch für Weimar eine besondere Verantwortung gegenüber den Steuerzahlern und anderen Städten in Thüringen, Der Vorwurf ist auch insofern falsch, als das die Landesregierung bemüht ist, in Weimar auch ergänzende Kulturangebote anzusiedeln, wie beispielsweise die Initiative des Kulturministers Hoff für ein House of Jazz in Weimar zeigt. Auch die gemeinsam getragene Entscheidung zum Bau des Bauhaus-Museum ordnet sich hier ein.

Nun wird aber über die Zukunft des einzigen in Landesbesitz befindlichen und in Weimar ansässigen Museums für Ur- und Frühgeschichte konkret diskutiert. Das Museum ist in Weimars Stadtgeschichte verwurzelt und für viele Weimarer ein fester und angenehmer Punkt biographischer Erinnerungen. Und nicht zuletzt gibt es durch die Ehringsdorfer Funde und die das Museum gründende Initiative von Einwohner_innen Ende des 19. Jahrhunderts auch einen engen fachlichen Zusammenhang zum Standort. Dennoch sollte Einigkeit darüber bestehen, dass auch ein archäologisches Museum sich weiterentwickeln muss. Dies trifft einerseits auf die Präsentation, auf die Einbindung interaktiver Bildungsangebote für Schüler_innen als auch auf die Erweiterung um eine auch stetig zunehmende Vielzahl historisch wie wissenschaftlich wertvoller Funde, die gegenwärtig in Depots lagern, zu. Die bereits seit 2012 andauernden Überlegungen der Landesregierung das einzige Landesmuseum auch in seiner Bandbreite nicht nur zu modernisieren, sondern auch zu erweitern ist daher der richtige Schritt. Eine Erweiterung der zur Verfügung stehenden 800 qm Ausstellungsfläche erscheint notwendig, eine Untersuchung der Entwicklungsmöglichkeiten für das Museum am bisherigen Standort und auch anderen Standorten ist zwangsläufig notwendig. Die von der Landesregierung verfolgte Schrittfolge für eine Entscheidung zum Standort mit einer von auch internationalen Wissenschaftlern erarbeiteten Museumskonzeption, Machbarkeitsstudie und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ist sachlich nachzuvollziehen und nicht zu kritisieren. Am Ende wird sich aber die Diskussion – zumindest in Weimar – an der letztlichen Standortentscheidung entzünden. Und allein die Reaktion in Weimar auf die Tatsache, dass auch der Petersberg in Erfurt in die Prüfung eines möglichen Standortes für ein Landesmuseum einbezogen wird, dokumentieren dies. Dabei werden zwei Dinge verkannt, die auch aus Weimarer Sicht nicht unbedeutend sind. Erstens ist der Petersberg in Erfurt ein historisch wertvolles und unverzichtbares Exponat Thüringer Geschichte. Dies dem Verfall preiszugeben kann nicht im Interesse der Thüringer Landespolitik sein, auch nicht aus Sicht der Weimarer. Und dazu gehören natürlich auch Überlegungen für eine künftige Nutzung, Präsentation und Vermarktung. Der zwischen der Landesregierung und der Stadt Erfurt unterzeichnete Letter of Intent bringt genau dies zum Ausdruck. Im Letter of Intent wiederholt die Landesregierung ihre bestehende Absicht, das Museum für Ur- und Frühgeschichte zu einem modernen Landesmuseum weiter zu entwickeln. Eine Festlegung auf einen Standort Erfurt ist hingegen – trotz anderer Darstellungen aus Weimar – nicht Bestandteil der Absichtserklärung. Es findet sich aber wiederum ein Verweis auf die Reihenfolge der Entwicklungsschritte hin zur Standortentscheidung, die die Prüfung einschließen, „ob die für ein solches Museum benötigten Flächen am derzeitigen Standort Weimar zur Verfügung stehen“. Dies in Weimar als „schmutzigen Deal“ zu kritisieren, ist wohl eher keiner sachlichen Überlegung folgend.

Zweitens ist die Frage aber auch in Weimar zu diskutieren, welchen Platz ein künftiges Landesmuseum für Archäologie und Landesgeschichte in Weimars Museumslandschaft überhaupt einnehmen soll und kann. In der Podiumsdiskussion wurde vielfach darauf verwiesen, dass das Museum für Ur- und Frühgeschichte auch im Marketingkonzept der Stadt eine untergeordnete Rolle spielt. Neben 12.000 Schülern aus ganz Thüringen besuchten 2016 lediglich 6.000 zahlende Gäste das Museum. Im Leitsystem der Stadt tauchte das Museum lange Zeit nicht auf, im Internetangebot der Stadt Weimar muss man im Angebot für Touristen das Museum schon sehr intensiv suchen. Dies kann festgestellt, kritisiert, aber auch erklärt werden. Weimar ist eine historisch und kulturell reiche Stadt. Daraus erwachsen Verantwortung wie Herausforderungen gleichermaßen. Weimar will und braucht Touristen, kulturell und historisch interessierte Besucher und auch eine Atmosphäre als Kulturstadt, die Grundlage für eine Entscheidung von Menschen über ihren Lebensort sein kann. Um dies zu realisieren, braucht es ein prägendes Leitbild, dass die Schwerpunkte und Stärken der Stadt präsentiert. Diese liegen unstrittig auf der Hand. Weimar ist die Stadt Goethes und Schillers, die Stadt der Klassik und Aufklärung. Weimar steht für die Weimarer Republik und mit dem ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald auch für die, die Weimarer Republik beendende, unheilvolle und Millionen von Menschen todbringende Geschichte des deutschen Faschismus. Das Bauhaus Weimar dokumentiert mit seinem Entstehen und seiner Auslöschung auch diesen Teil deutscher Geschichte. Für all das ist Weimar beispielhaft und national wie international bekannt und es finden sich in Weimar wertvolle Anknüpfungspunkte sowie Stadtbild und –gesellschaft prägende Exponate. Ob es sinnvoll ist, diese zu ergänzen und statt auf Schwerpunkte auf thematische Vielfalt, die immer auch Konkurrenz beinhaltet, zu setzen, sollte ernsthaft hinterfragt werden. Die Beantwortung dieser Frage ist in eine Meinungsfindung in Weimar als auch in eine kulturpolitische Entscheidung der Landesregierung einzubeziehen. Denn so verständlich der Wunsch aus Weimarer Sicht ist, das, was ist, zu erhalten, ist es nicht in jedem Fall und um jeden Preis sinnvoll, wenn im Ergebnis Landesgeschichte und archäologische Funde im Schatten der Weimarer Klassik und Buchenwald weiterhin dahinfristen oder mit diesen weltweit bekannten und anerkannten Gedenk- und Museumsstandorten um Vermarktung und Besucher konkurrieren.