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Neue Zahlen zu Pyrotechnik in Stadien: Bengalos und Rauchtöpfe in Thüringer Stadien weniger gefährlich als bisher angenommen

Foto von Dominik Läisl

Der Präsident des Hamburger Fussball-Clubs HSV, Bernd Hoffmann, hat sich im Februar 2019 der Forderung nach einer Entkriminalisierung von Pyrotechnik angeschlossen. Völlig zu Recht, wie eine Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage zu konkreten Zahlen zur Pyrotechnik in Thüringer Stadien zeigen. Dabei wurde deutlich, dass es durch Rauchtöpfe und bengalische Fackeln in Stadien nur zu 1,4 Verletzte jährlich bei einer Vielzahl von Fußballspielen kommt, während durch Verkehrsunfälle in Thüringen bis zu 6.500 Menschen jährlich verletzt werden. Hier wird deutlich, dass es eine Schieflage zwischen den Fakten und der öffentlicher Debatte zu Pyrotechnik gibt. Daneben zeigen die Vielzahl von Pyrotechnik-Anwendungen in Thüringer Stadien, dass Verbote völlig unwirksam sind. Es braucht eine Entkriminalisierung und ein gemeinsam mit Sicherheitsbehörden, Fußballvereinen und Fanvertretern entwickeltes Konzept für einen verantwortungsvollen Umgang mit Pyrotechnik in den Stadien. Das wäre ein Gewinn für alle Seiten.

Bei der Forderung, wie sie auch der der niedersächsische SPD-Innenmisters bereits 2017 unterstützte, Pyrotechnik in Stadien zu legalisieren, statt diese zu kriminalisieren, geht es um Rauchtöpfe und bengalische Feuer in bestimmten abgrenzbaren Bereichen. Aus den Daten des Thüringer Innenministeriums geht hervor, dass die Sicherheitsbehörden in den vergangenen fünf Jahren 48 Anwendungen von Rauchtöpfe/Rauchfackeln und bengalischen Feuer/Fackeln bei Thüringer Fußballspielen registrierten, das sind etwas mehr als die Hälfte aller pyrotechnischen Anwendungen in Thüringer Stadien. Demgegenüber stehen sieben Verletzte im Fünfjahreszeitraum durch Rauchtöpfe/Rauchfackeln und bengalische Feuer/Fackeln, wobei diese alleine aus zwei Begegnungen zwischen Rot-Weis-Erfurt und FC Carl Zeiss Jena resultieren. Diese Zahlen stehen dem Bedrohungsszenario, das bislang zum Teil in der Öffentlichkeit skizziert wird, diametral entgegen.

Insgesamt zählt das Innenministerium 51 Fußballspiele zwischen 2014 und 2018, bei denen 90 Anwendungen von Pyrotechnik zum Einsatz kamen. Neben den 48 Rauchtöpfen/Rauchfackeln und bengalischen Feuer/bengalischen Fackeln zählten die Behörden 16 Böller/Kracher und 26 sonstige pyrotechnische Anwendungen. Durch die Anwendung von Böllern in Thüringer Stadien wurden wurden 11 Menschen verletzt, weitere zwei durch sonstige Pyrotechnik. Die Polizei beschlagnahmte zwischen 2014 und 2018 bei 26 Fußballspielen Pyrotechnik in Thüringen, wobei in mehr als der Hälfte der betroffenen Spiele dennoch Pyrotechnik im Stadion eingesetzt werden konnte. Die Befürworter der Entkriminalisierung einschließlich der Ultragruppen wollen keine Böller, Kanonenschläge oder Leuchtspurgeschosse im Stadion und auch kein Werfen in den Innenraum, auf das Spielfeld oder in Nachbarblöcke. Es geht vielmehr darum, unter Beachtung und Reduktion der potentiellen Restrisiken eine Möglichkeit für einen verantwortungsvollen Umgang mit den bunten Farben aus Rauchtöpfen und bengalischen Fackeln zu finden, die beide zum festen Bestandteil der Thüringer Fankultur gehören.

Es ist an die an Politik und Sicherheitsbehörden zu appelieren, sich für eine Entkriminalisierung von Pyrotechnik beim Fußball unter vernünftigen Rahmenbedingungen offen zu zeigen, um gleichermaßen ein sicheres und ereignisreiches Stadionerlebnis für Familien wie Ultragruppen zu realisieren. Das würde letztlich auch die Polizei entlasten, damit diese sich dringlichen Aufgaben widmen könne. Gerade die Erprobung der kalten Pyrotechnik bei Fußballspielen in Skandinavien zeigt, dass es Wege gibt, wie die verschiedenen Interessen zueinander finden können, es wäre fatal sich diesen zu verschließen. Wir könnten uns auch für Thüringen vorstellen, Erfahrungen mit dieser neuen Technik zu sammeln. Bei „kalter Pyrotechnik“ wird kein Magnesium verwendet, so dass die bengalische Fackeln nicht mehr wie bisher 2000 Grad heiß werden, sondern nur noch rund 230 Grad. Das birgt zwar immer noch Restrisiken, die aber wesentlich einfacher zu händeln sind.

Die Antwort auf die Anfrage ist hier zu finden.

 


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